Ich wollte eigentlich nur einen Sichtschutz. Geworden ist es ein kleines Kraftwerk an der Grundstücksseite: sechs senkrechte Module an einem String, nach Süden ausgerichtet. Nach zwölf Monaten kann ich endlich erzählen, was so ein PV-Zaun in der Praxis leistet, und warum mich ausgerechnet der Dezember überrascht hat.
17. Juni 2026 · Lesezeit ca. 6 MinutenAls wir vor gut einem Jahr unseren Garten neu geordnet haben, stand ein ganz normaler Sichtschutz auf der Liste. Die Terrasse liegt offen zur Grundstücksseite, und wir wollten dort einfach in Ruhe sitzen können. Mein erster Gedanke war eine Wand aus Lärche oder ein Doppelstabmatten-Zaun mit Sichtschutzstreifen. Mein zweiter Gedanke war: wenn da ohnehin eine Fläche senkrecht in der Sonne steht, warum mache ich daraus nicht gleich Strom?
So bin ich beim PV-Zaun gelandet. Ich habe lange überlegt, viel gelesen und am Ende sechs senkrechte, bifaziale Module an einem einzigen String verbaut. Heute, ein Jahr und eine vollständige Ertragskurve später, schreibe ich auf, wie das wirklich gelaufen ist. Ohne Hochglanz, mit echten Zahlen aus meiner eigenen Anlage.
Meine Anlage in Kurzform
Sechs senkrechte, bifaziale Module an einem String, ausgerichtet nach Süden, gedacht als Sichtschutz an der Terrasse. Ertrag in den ersten zwölf Monaten: rund 2.800 kWh. Das Beeindruckendste daran war für mich nicht die Jahressumme, sondern ein einzelner Wintermonat, dazu unten mehr.
6
Module, senkrecht montiert
1
String, bifazial
Süd
Ausrichtung der Vorderseite
~2.800 kWh
Ertrag in 12 Monaten
Die naheliegende Frage zuerst: Warum baue ich Module an einen Zaun, wenn es ein Dach gibt? Bei mir war es eine Mischung aus zwei Gründen. Erstens war an der Stelle, an der ich Sichtschutz brauchte, ohnehin Geld eingeplant. Ein ordentlicher Sichtschutzzaun ist auch nicht geschenkt. Wenn dieselbe Fläche zusätzlich Strom liefert, verschiebt sich die ganze Rechnung.
Zweitens reizte mich die Lastverteilung über den Tag. Eine klassische Dachanlage liefert die meiste Energie rund um die Mittagsspitze, also genau dann, wenn bei uns niemand zuhause ist. Ein senkrechter Zaun verteilt das anders. Bei meiner Südausrichtung steht die Erzeugung im Winter erstaunlich stabil, und über das Jahr fällt die Kurve flacher aus als bei einem klassisch geneigten Dach. Genau das wollte ich ausprobieren, statt es nur in einem Forum zu lesen.
Ein ehrlicher Hinweis, damit niemand meine Zahlen falsch überträgt: Die häufigste Empfehlung für einen PV-Zaun ist ein Verlauf in Nord-Süd-Richtung, damit eine Seite morgens und die andere abends Strom liefert. Mein Zaun läuft aber Ost-West, die Vorderseite schaut nach Süden. Das bringt keine zwei sauberen Tagesspitzen, dafür eine sehr gleichmäßige, und im Winter besonders kräftige Erzeugung. Für meine Terrasse war diese Ausrichtung baulich die einzige sinnvolle, und im Nachhinein bin ich froh darüber.
Bewusst habe ich es klein gehalten: sechs Module, ein String, ein Wechselrichter. Kein verschachteltes Stringdesign, keine getrennten Ausrichtungen, nichts, was die Montage unnötig kompliziert macht. Die Module stehen senkrecht in einer Linie, und genau diese Schlichtheit war im Alltag ein Vorteil. Der Aufbau war an einem Wochenende erledigt, und seitdem habe ich praktisch nichts daran getan.
Weil die Module bifazial sind, zählt auch die Rückseite. Bei mir zeigt sie nach Norden und sammelt diffuses Licht sowie das, was der helle Untergrund vor dem Zaun reflektiert. Das ist kein riesiger Block an Mehrertrag, aber es ist messbar, und an hellen Tagen mit Schnee davor merkt man es deutlich. Genau das hatte ich vorher unterschätzt.
Adresse eingeben, Zaunverlauf einzeichnen, und du siehst sofort Modulanzahl, Leistung und den erwarteten Jahresertrag der senkrechten, bifazialen Module. Kostenlos und ohne Anmeldung.
Jetzt PV-Zaun planenBeidseitig
Bifaziale Module nutzen Vorder- und Rückseite
3D
Zaunverlauf frei in deiner Umgebung zeichnen
Sofort
Modulanzahl, Leistung und Ertrag direkt sichtbar
0 EUR
Kostenlos und direkt im Browser
Kommen wir zu den Zahlen, denn deshalb liest du vermutlich mit. Über die ersten zwölf Monate hat mein Zaun rund 2.800 kWh geliefert. Für sechs senkrechte Module ist das ein Wert, mit dem ich vorab so nicht fest gerechnet hätte. Senkrecht klingt nach Kompromiss, und in der Theorie ist es das auch gegenüber einer ideal geneigten Südfläche. In der Praxis war der Unterschied aber kleiner als befürchtet, und an einer entscheidenden Stelle hat sich die Bauform sogar ausgezahlt.
Wichtig finde ich dabei die Form der Kurve, nicht nur die Summe. Eine geneigte Anlage hat einen sehr hohen Sommer und einen sehr schwachen Winter. Mein Zaun ist gleichmäßiger. Der Sommer ist nicht ganz so extrem, dafür bleibt im Winter erstaunlich viel übrig. Und weil unser Verbrauch im Winter höher ist als im Hochsommer, passt diese Verteilung deutlich besser zu uns, als die nackte Jahreszahl vermuten lässt.
Jetzt zu dem Punkt, der mich wirklich überrascht hat. Im Dezember hat mein kleiner Zaun aus sechs Modulen mehr Strom erzeugt als eine mir bekannte Dachanlage mit zehn nach Osten ausgerichteten Modulen. Zehn Module gegen sechs, Dach gegen Zaun, und der Zaun lag im dunkelsten Monat des Jahres vorne.
Der Grund dafür ist eigentlich Physik, aber im echten Leben fühlt es sich wie ein kleiner Triumph an. Im Dezember steht die Sonne extrem flach. Eine senkrechte, nach Süden gerichtete Fläche trifft dieses flache Licht fast im optimalen Winkel, während ein geneigtes Dach es eher streift. Dazu kommt der Klassiker des Winters: Auf flachen Dachmodulen liegt schnell Schnee und nimmt tagelang Ertrag weg. An senkrechten Modulen rutscht er ab oder bleibt gar nicht erst liegen, und als heller Untergrund kann er den bifazialen Ertrag sogar anheben.
| Faktor im Dezember | Mein PV-Zaun (Süd, senkrecht) | Geneigtes Ostdach |
|---|---|---|
| Sonnenstand | Flaches Licht trifft fast senkrecht auf die Fläche | Flaches Licht streift das Dach nur |
| Schnee | Rutscht ab, kann als heller Untergrund sogar helfen | Bleibt liegen und blockiert tagelang Ertrag |
| Rückseite | Bifazial: zusätzlicher Ertrag von hinten | Keine Rückseitennutzung |
| Ergebnis | 6 Module liefern mehr | 10 Module liefern weniger |
Mir ist wichtig, das nicht zu einer allgemeinen Regel aufzublasen. Über das ganze Jahr gerechnet gewinnt die größere Dachanlage natürlich, mehr Module und eine bessere Sommerausbeute schlagen am Ende durch. Aber genau in der dunklen, verbrauchsstarken Jahreszeit dreht sich das Bild, und das ist für den Eigenverbrauch oft mehr wert als ein noch höherer Sommerberg, den man ohnehin einspeist.
Bei aller Begeisterung für die Zahlen: Der ursprüngliche Zweck war ein Sichtschutz, und den erfüllt der Zaun tadellos. Wir sitzen auf der Terrasse, ohne dass uns jemand auf den Teller schaut, der Zaun bricht den Wind und wirkt ruhig und massiv. Hätte ich einen reinen Sichtschutz gebaut, hätte er ungefähr denselben Platz gebraucht und nur Geld gekostet. So begrenzt dieselbe Fläche das Grundstück und liefert nebenbei Strom.
Diese Doppelnutzung war für mich der eigentliche Aha-Moment. Ein PV-Zaun konkurriert nicht mit dem Dach, er nutzt eine Fläche, die ohnehin sinnvoll war. Und er muss nicht an der Grundstücksgrenze stehen. Genauso gut lässt er sich um den Sitzplatz, den Pool oder einen Gartenbereich ziehen, überall dort, wo man ohnehin eine Abgrenzung möchte.
Ein Zaun steht bodennah. Spritzwasser, Pollen und Staub setzen sich schneller an als auf einem Dach. Das ist kein Drama, aber ich wische die Module ein paar Mal im Jahr ab, vor allem nach der Pollenzeit. Wer das einplant, sichert sich den vollen Ertrag.
Meine Südausrichtung war ein Glücksfall der örtlichen Gegebenheiten. Bei dir kann ein Ost-West-Verlauf besser passen, weil er die Erzeugung auf Morgen und Abend verteilt. Es gibt nicht die eine richtige Antwort, es hängt am Grundstück und am eigenen Tagesablauf. Genau deshalb lohnt es sich, vorher ein paar Varianten durchzuspielen, statt nach Bauchgefühl zu entscheiden.
Ob ein PV-Zaun in deiner Höhe und an deinem Standort genehmigungspflichtig ist, hängt vom Bundesland und der Gemeinde ab. Ich habe vorab kurz beim Bauamt nachgefragt. Das kostet einen Anruf und erspart später Ärger.
Ich würde es wieder so machen. Der Zaun tut genau das, wofür ich ihn gebaut habe, er schützt vor Blicken und Wind, und obendrauf liefert er rund 2.800 kWh im Jahr. Dass sechs senkrechte Module im Dezember eine deutlich größere Ostdachanlage übertreffen, hätte ich vorher nicht geglaubt. Genau solche Effekte machen die vertikale Bauweise für mich so spannend.
Wenn du selbst überlegst, ob ein PV-Zaun zu deinem Grundstück passt: Probier es einfach im Planer aus. Du zeichnest deinen Zaunverlauf direkt im 3D-Modell deiner Umgebung ein und siehst sofort, wie viele Module hineinpassen, welche Leistung das ergibt und welcher Jahresertrag realistisch ist. Genau diese Vorab-Einschätzung hätte ich mir damals gewünscht, also nutze ich die Gelegenheit, sie dir mitzugeben.
Kurz gesagt
Ein PV-Zaun ist kein Ersatz fürs Dach, sondern eine clevere Ergänzung. Er macht aus einer Fläche, die du ohnehin als Sichtschutz wolltest, ein kleines Kraftwerk mit überraschend starkem Winter. Für mich war es eine der sinnvollsten Entscheidungen rund um Haus und Garten der letzten Jahre.
Mehr zur Funktionsweise, zu bifazialen Modulen und zur optimalen Ausrichtung findest du auf der Seite PV-Zaun planen.