Wir haben eine Klimaanlage am heißesten Tag des Jahres minütlich mitgeschrieben. 10,7 kWh an einem Tag, und der Verbrauch folgt der Außentemperatur fast wie eine zweite Kurve. Genau das macht Kühlen und Photovoltaik zu einem starken Paar.
26. Juni 2026 · Lesezeit ca. 7 MinutenIn unseren bisherigen Beiträgen ging es viel ums Heizen: Wärmepumpe gegen Gas, Klimaanlage als Heizung im Winter. Technisch ist eine Split-Klimaanlage nämlich nichts anderes als eine umkehrbare Wärmepumpe, sie kann heizen und kühlen. Im Sommer zeigt sie ihre zweite Seite: Statt Wärme ins Haus zu holen, schafft sie sie hinaus. Die spannende Frage lautet: Wie viel Strom kostet das wirklich, und passt dieser Verbrauch zu dem, was eine PV-Anlage am gleichen Tag produziert?
Statt zu schätzen, haben wir gemessen. Am 25. Juni 2026, einem der heißesten Tage des Jahres, hat ein Klimagerät im Kühlbetrieb seine Leistung im Minutentakt protokolliert. Parallel dazu liegen die stündlichen Außentemperaturen vom selben Standort vor. Aus diesen beiden Datensätzen lässt sich der Tag ziemlich genau rekonstruieren.
Der 25. Juni war ein klassischer Hochsommertag. Nachts kühlte es kaum noch ab, am frühen Morgen lag die Tiefsttemperatur bei 21,1 °C. Ab 7 Uhr ging es steil bergauf, gegen 15 Uhr wurden 35,7 °C erreicht. Im Tagesmittel waren es 29,1 °C. Solche Tage sind keine Ausnahme mehr, sondern werden in Deutschland Jahr für Jahr häufiger.

| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Tiefsttemperatur (frühmorgens) | 21,1 °C |
| Höchsttemperatur (gegen 15 Uhr) | 35,7 °C |
| Tagesmittel | 29,1 °C |
| Hitzeplateau über 34 °C | ca. 13 bis 18 Uhr |
Bemerkenswert ist dabei, was dieser Verbrauch leistet. Ein einziges Split-Innengerät hat das komplette Obergeschoss gekühlt. Alle Türen standen offen, sodass die kühle Luft frei durch die Räume zog. Es ging also nicht um einen einzelnen abgeschotteten Raum, sondern um eine ganze Etage.
Über die vollen 24 Stunden hat das Gerät rund 10,7 kWh verbraucht. Die mittlere Leistung lag bei 445 W, die Spitze bei 685 W am späten Nachmittag. Das klingt zunächst harmlos, summiert sich an einer Hitzewelle mit mehreren solcher Tage hintereinander aber spürbar. Bei einem Netzstrompreis von 34 ct/kWh entspricht ein einzelner solcher Tag etwa 3,60 € für das Kühlen des gesamten Obergeschosses.
Der Tagesrhythmus ist dabei eindeutig. In den kühlen Morgenstunden arbeitet das Gerät auf Sparflamme, der Kompressor läuft kaum. Mit der Sonne wird es Stunde um Stunde kräftiger, bis die Leistung am Nachmittag und Abend ihr Maximum erreicht. Wie eng dieser Verlauf an der Außentemperatur hängt, zeigt das Diagramm im nächsten Abschnitt, und genau dieser Zusammenhang ist der Kern der ganzen Analyse.
Legt man die stündliche Außentemperatur und die mittlere Leistung der Klimaanlage nebeneinander, laufen sie fast parallel. Der statistische Zusammenhang ist mit einem Korrelationskoeffizienten von r = 0,92 sehr stark. In der Praxis bedeutet das: Jedes Grad mehr Außentemperatur kostete an diesem Tag rund 25 W zusätzliche Dauerleistung.

Zwischen den kühlsten Morgenstunden (rund 238 W im Mittel) und den heißesten Nachmittagsstunden (rund 626 W im Mittel) liegt der Faktor 2,6. Die Anlage moduliert also nicht nur ein bisschen, sie skaliert ihre Leistungsaufnahme deutlich mit der Hitzelast, die von außen auf das Gebäude drückt.
Ein Detail im Diagramm ist entscheidend, und es ist leicht zu übersehen. Die Außentemperatur erreicht ihr Maximum um 15 Uhr. Die Klimaanlage zieht ihre höchste Leistung aber erst zwischen 16 und 19 Uhr, mit einem Spitzenwert um 18 Uhr. Der Verbrauch hinkt der Temperatur also hinterher.
Der Grund ist die thermische Trägheit des Gebäudes. Wände, Decken und Einrichtung speichern den ganzen Tag über Wärme und geben sie zeitversetzt wieder ab. Die Klimaanlage kämpft am Abend nicht nur gegen die Außentemperatur, sondern auch gegen die im Bau gespeicherte Hitze. Deshalb bleibt die Last bis weit in den Abend hoch: Noch um 21 Uhr lief das Gerät mit 550 W, deutlich mehr als mittags.
Diese hohe Abend- und Nachtlast ist kein Nachteil, sondern der angenehmste Teil der Geschichte. In einer Tropennacht, in der es draußen kaum unter 21 °C fällt, sorgt das Gerät dafür, dass das Schlafzimmer angenehm temperiert bleibt. Wer schon einmal bei 28 °C Raumtemperatur einschlafen wollte, weiß, was das wert ist. Erholsamer Schlaf an Hitzetagen ist für viele der eigentliche Grund, sich überhaupt eine Klimaanlage anzuschaffen, und genau dafür sorgt die Last, die bis tief in die Nacht weiterläuft.
Kernbefund
Die Kühllast verteilt sich über den Tag, hat ihren Schwerpunkt aber am späten Nachmittag und Abend. Etwa 39 % der Tagesenergie fielen in das klassische Solarfenster (9 bis 17 Uhr), rund 33 % in die Abendstunden (17 bis 23 Uhr). Genau diese Aufteilung entscheidet, wie gut sich Kühlen mit Solarstrom decken lässt.
Beim Heizen im Winter ist die Sache unbequem: Der Strombedarf ist dann am höchsten, wenn die Sonne am wenigsten liefert. Beim Kühlen ist es genau umgekehrt. Was die Klimaanlage antreibt, ist dieselbe Sonne, die auch die PV-Module versorgt. Hitze und Solarertrag haben dieselbe Ursache, und deshalb laufen Kühllast und Solarproduktion im Sommer von Natur aus parallel.
Im Tagesverlauf heißt das: Die Mittags- und frühen Nachmittagsstunden, in denen die PV-Anlage ihr Maximum erreicht, fallen direkt mit einem großen Teil der Kühllast zusammen. Dieser Anteil lässt sich praktisch ohne Umweg über das Netz decken. Der Solarstrom, der sonst für wenige Cent eingespeist würde, kühlt stattdessen das Haus und ersetzt teuren Netzbezug. Genau das ist der wirtschaftlich attraktive Teil.
Bleibt der Teil der Last, der am Abend liegt. Die Verbrauchsspitze um 18 Uhr und die hohe Last bis 22 Uhr fallen teilweise schon in die Stunden, in denen die Sonne deutlich nachlässt. Hier kommt der Heimspeicher ins Spiel, und zwar mit einer für ihn idealen Aufgabe: Überschüssigen Mittagsstrom einsammeln und ihn am Abend wieder abgeben, exakt dann, wenn die Klimaanlage gegen die gespeicherte Gebäudewärme arbeitet.
Anders als beim reinen Haushaltsstrom ist die zu verschiebende Menge hier gut kalkulierbar: An unserem Messtag entfielen rund 2,5 kWh auf das Fenster der Abendspitze von 16 bis 20 Uhr. Ein üblicher Speicher schafft das mühelos und macht aus einem ansonsten ins Netz abfließenden Mittagsüberschuss kühle Abendstunden aus eigener Produktion.
Es gibt aber noch einen zweiten, oft unterschätzten Hebel, der vor dem Speicher ansetzt: die Ausrichtung der Module. Eine reine Südanlage liefert eine schmale, hohe Mittagsspitze. Eine Ost-West-Anlage verteilt denselben Jahresertrag auf eine breitere Kurve, mit einem kräftigen Schub am Morgen über Osten und, was hier zählt, einer langen Produktion über die Westmodule bis in den Abend.
Genau dieser Westanteil fällt zeitlich mit der Kühlspitze zusammen. Während eine Südanlage um 18 Uhr schon deutlich nachlässt, liefern nach Westen ausgerichtete Module dann noch ordentlich Leistung, exakt in den Stunden, in denen die Klimaanlage ihren Höchstverbrauch hat. Ein größerer Teil der Abendkühlung wird so direkt aus laufender Produktion gedeckt, bevor der Speicher überhaupt einspringen muss. Ost-West und Batterie spielen sich dabei gegenseitig zu: Die Ausrichtung verbreitert das Solarfenster bis in den Abend, der Speicher überbrückt den Rest bis in die Nacht.
Aus einem einzelnen, sehr heißen Tag lassen sich keine Jahreswerte ableiten. Für die Planung sind aber drei Muster robust, weil sie physikalisch begründet sind und nicht vom Zufall des einzelnen Tages abhängen:
1. Kühlen ist ein PV-Verstärker. Jede zusätzliche sommerliche Kühllast erhöht den Eigenverbrauch fast deckungsgleich mit der Solarproduktion. Wer eine Klimaanlage betreibt oder plant, holt aus derselben PV-Anlage mehr selbst genutzten Strom heraus.
2. Der Speicher bekommt eine zweite Sommerrolle. Klassisch verschiebt er Haushaltsstrom in den Abend. Im Sommer kommt die gut prognostizierbare abendliche Kühllast dazu, was die Zahl der sinnvollen Vollzyklen erhöht.
3. Die Gebäudemasse arbeitet mit. Wer tagsüber mit Solarüberschuss schon leicht vorkühlt, statt erst abends gegen die aufgeheizten Wände anzukämpfen, verschiebt einen Teil der Last in die solarstärksten Stunden, ganz ohne Batterie.
Die Verbrauchsdaten stammen aus dem Energiemonitoring eines realen Klimageräts im Kühlbetrieb, aufgezeichnet im Minutentakt über den 25. Juni 2026 (1.440 Messwerte). Die Tagesenergie ist die Integration dieser Minutenleistungen. Die Temperaturwerte sind stündliche Außenwerte vom selben Standort (Zeitzone Europe/Berlin). Korrelation und Steigung beziehen sich auf die stündlichen Mittelwerte beider Reihen. Es handelt sich um die Messung eines einzelnen Geräts an einem einzelnen, besonders heißen Tag, nicht um einen standardisierten Jahreswert.